mpetrus hat geschrieben: 26 Dez 2025 17:44
Ich glaube du bringst da das ein oder andere Durcheinander.
Das will ich vorsichtshalber nicht ausschließen. Ich habe nur den Eindruck, dass Deine Infos da auch nicht wirklich weiter helfen.
mpetrus hat geschrieben: 26 Dez 2025 17:44
Der Traglastindex wird in Zusammenhang eines Luftdruckes von 2,5 bar ermittelt.
Was heißt "im Zusammenhang mit"? Meine Reifen erreichen ihre Nenntraglast bei 4,75 bar Reifendruck, nicht bei 2,5. Kauf' ich die gleiche Dimension aus der gleichen Baureihe mit höherem Traglastindext, haben die bei 4,75 bar etwa die gleiche Traglast wie meine Reifen, sind aber für einen Druck bis 5,5 bar zugelassen und erreichen nur mit diesem höheren Druck ihre Maximaltraglast.
Das ist ja auch so verwunderlich nicht: Die Luft trägt im Wesentlichen die Last, nicht die Flanke.
mpetrus hat geschrieben: 26 Dez 2025 17:44
Denn die Flanke des Reifens muss die Walkarbeit, oder die innere Reibung des Gummis, entsprechend dauerhaft ertragen.
Das ist schon richtig, nur ist Deine implizite Annahme fehlerhaft, dass eine höhere Radlast auch zu entsprechend mehr Walkarbeit in der Reifenflanke führen müsse. Die Walkarbeit wird im Wesentlichen davon bestimmt, wie stark der Reifen durch die Last eingedrückt wird. Da der Luftdruck bei höherer Last ebenfalls höher sein soll, wird der Reifen bei höherer Last nicht unbedingt mehr eingedrückt. Im Idealfall bleibt die Walkarbeit in der Reifenflanke also lastunabhängig etwa gleich, wenn mit dem jeweils zur Last passenden Luftdruck gefahren wird. Lediglich die Walkarbeit in der Lauffläche ist bis zu einem gewissen Grad lastabhängig und bestimmt -- zusammen mit dem maximal zulässigen Luftdruck und weiteren konstruktiven Merkmalen des Reifens -- die Reifentragfähigkeit.
Die Walkarbeit ist außerdem natürlich streckenabhängig -- jede Radumdrehung benötigt eine gewisse Energiemenge und setzt die in Wärme um. Damit ist die umgesetzte Wärme
leistung geschwindigkeitsabhängig, was erklärt, dass der gleiche Reifen bei niedrigerer Geschwindigkeit -- trotz dadurch auch verringerter Luftkühlung -- weniger warm wird und mehr tragen kann, bevor er bei dieser niedrigeren Geschwindigkeit zu heiß wird.
"Stabiler" mag ein Reifen mit verstärkten Flanken sein, mehr Traglast hat er deswegen noch lange nicht.
mpetrus hat geschrieben: 26 Dez 2025 17:44
Weil die Camper mit PKW Reifen und dann mit 5bar Luftdruck, trotzdem Reifenplatzer hatten.
Kein Camper war je (legal) mit PKW-Reifen unterwegs, schon deshalb nicht, weil PKW-Reifen nie den nötigen Traglastindex hatten, wenn sie überhaupt in einer passenden Dimension verfügbar waren. Und mir ist auch nicht bekannt, dass Camper mit 5 bar Luftdruck Reifenplatzer hatten, wenn die Reifen ansonsten OK waren.
mpetrus hat geschrieben: 26 Dez 2025 17:44
grundsätzlich konnten die Flanken die innere Walkarbeit/Reibung nicht verarbeiten.
Das ist in zwei Fällen denkbar und vermutlich auch die Ursache für den einen oder anderen Reifenplatzer:
- Überladung: Dann gibt es keinen passenden Luftdruck mehr, der Reifen walkt mehr als vorgesehen und wird zu heiß
- Schleichender Druckverlust bleibt zu lange unbemerkt Auch in diesem Fall walkt der Reifen mehr als vorgesehen und wird irgendwann zu heiß
Dass ein Reifen die Walkarbeit nicht verkraftet, für die er vorgesehen ist, bloß weil da nicht C oder CP drauf steht halte ich dagegen für ein Märchen.
mpetrus hat geschrieben: 26 Dez 2025 17:44
Da spielt es auch keine Rolle ob du schnell auf "glatter" Autobahn, oder im Baltikum/Skandinavien langsam auf Naturstraßen fährst.
Doch tut es. Siehe abzuführende Wärmeleistung oben. Wäre das so wie Du schreibst, bräuchte man keinen Geschwindigkeitsindex. Und es wäre höchst fahrlässig, den Druck bei langsamer Fahrt im Gelände deutlich abzusenken um die Reifenaufstandsfläche zu erhöhen. Weil da aber nur wenige langsame Umdrehungen anfallen, verkraftet der Reifen das problemlos, wenn die Flanke dabei nicht geknickt sondern nur etwas stärker als üblich gebogen wird.
mpetrus hat geschrieben: 26 Dez 2025 17:44
Reifen mit stärkere Flanke (Lastindex) und angepassten Luftdruck können Straßenvibrationen abfedern bevor diese ans Fahrzeug abgegeben werden.
Natürlich gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Reifenmodellen im Komfortverhalten (also der Weitergabe von Straßenunebenheiten ans Fahrwerk) und im vorgeschriebenen Luftdruck für eine bestimmte Last. Verstärkte Flanken allein erhöhen aber weder die Traglast noch senken sie den Luftdruck, der für eine bestimmte Last nötig ist -- siehe oben.
mpetrus hat geschrieben: 26 Dez 2025 17:44
Vom höheren Sicherheitsfaktor mal ganz abgesehen.
Verstärkte Flanken verhindern möglicherweise Beschädigungen des Reifens, die irgendwann zu einem Reifenplatzer führen können und sind insofern sicherheitsrelevant. Ebenso sicherheitsrelevant ist aber, dass man Reifen nicht misshandelt, was natürlich im Gelände weniger leicht sicherzustellen ist als auf der Straße.
Grüße von Horst
Hymer ML-T540 auf Sprinter 316 CDI, 7G-Tronic, Euro VI, Bj. 2015