Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

Mercedes Sprinter 3 (Typ VS30, Baumuster W907/W910) - ab 2018
Zuschauer
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Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#1 

Beitrag von Zuschauer »

 Themenstarter

Hallo zusammen,

ich zitiere den Text aus der Homepage eines Anbieters für eine Hinterachssperre für den Werksallrad.

Zitat:
empfehlen wir die Nachrüstung einer 100% sperrbaren mechanischen Differenzialsperre aus unserem Hause. Diese ist von uns eigens entwickelte Differenzialsperre für die Hinterachse funktioniert sowohl bei einem Heckantrieb, wie auch bei einem Werksallrad Sprinter. Beim letzteren ist es allerdings empfehlenswert den Allradantrieb abzuschalten um die 100% Wirkung zu erzielen. Ansonsten kann aufgrund von nicht sperrbarem Verteilergetriebe des Daimler 4×4 Systems die Kraft an der Vorderachse verpuffen, wenn ein Rad vorn den Bodenkontakt verliert.

Weshalb verpufft die Kraft an der Vorderachse wenn der Allrad nicht abgeschaltet ist. Das 4ets müsste doch reagieren wenn ein Rad Haftung verliert. Wenn ich den 4x4 nicht zuschalte habe ich ja überhaupt keine Kraftübertragung auf der Vorderachse. Für was soll dann eine nachträglich verbaute Diff-Sperre an der Hinterachse bei dem Werksallrad noch nützlich sein. Diese Logik verstehe ich nicht?

Gruß
Thomas
Der-Chris
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#2 

Beitrag von Der-Chris »

Hallo,

Wenn du den Allrad aktiviert hast, dann hast du ein offenes Mitteldifferenzial. Wenn nun eines oder mehrere deiner Vorderräder keine Haftung haben, dann drehen die durch und es kommt keine Kraft mehr an der Hinterachse an (solange bis das 4ets endlich eingreift und die durchdrehenden Räder bremst). Dadurch verlierst du dann komplett den Vortrieb und stehst. Meistens ist fahren einfacher als wieder anfahren.
Wenn du den Allrad aus hast und an einem der Hinterräder kann (ggfs. auch mit Schlupf) genug Kraft übertragen werden, dann kannst du mit gesperrter Hinterachse durchfahren ohne anzuhalten und auf den 4ets eingriff zu warten.
Generell verhindert die Sperre proaktiv, dass durch ein durchdrehendes Rad der Vortrieb verloren geht. Das 4ets arbeitet rein reaktiv. D.h. Rad dreht durch, Auto bleibt stehen, 4ets wird aktiv, auto kann mit eingebremsten rad wieder weiter.
Was wann am besten ist hängt starkt von der jeweiligen Situation ab. Aber bedingt durch die geringe Verschränkung des Sprinters werden oft einzelne Räder sehr wenig belastet und drehen dann erstmal durch.
Gelöschter User

Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#3 

Beitrag von Gelöschter User »

HI zusammen,

je länger ich das durchkaue um so mehr ärgere ich mich über das Allrad-Konzept von Daimler...

Es wäre ja kein Problem im Teileregal nach Optionen zu suchen... Nein im Sprinter wird alles gaaaaanz toll gemacht, mit einem schwachsinnigen zuschalt Permanentallrad der nur 35:65 veteilt und keine 100 % Sperren anbietet!

Ich kapiere das nicht. Im Webparts finde ich auch für dem 907 Verteilergetriebe die sperrbar sind. Als SA sind diese aber nicht zu bestellen! Mein ML aus 2007 hat 100% permanent Antrieb. Immer!!! Hat eine Untersetzung und auf Wunsch Mitten oder Hinterachssperre. Ich habe das OffroadPaket im Auto. Das ist also alles schon im Ragal bei MB. Nein. Beim Sprinter muss man alles neu erfinden! Ih verstehe das nicht. Ist wie bei der X-Klasse Permanent Allrad gab es nur im 350-er. Würde Daimler das Konzept ordentlich durch ziehen wäre der Markt dafür da, da bin ich mir sicher. Aber die Entscheider kapieren es nicht!

Ich sehe da immer auch das sog. Jointventure zwischen Hymer und Daimler. In UT waren mehrere Sprinter als Womo-Mockups unterwegs. Sprich: Unten Sprinter und aussenrum Hymer aber ohne Austattung. Das Gewicht und die Verteilung dessen war dem späteren Womo angeglichen. Es wurden mehrere 100 tkm Testkilometer mit mehreren Prototypen gefahren. Aber eine Anpassung des MBUX bzgl. Verkehrszeichenerkennung an die Womo-Situation z.b. 100 Km/h >7,5 t haben sie nicht hin bekommen!

Es ist zum Heulen... Aber das ist wohl von den Konzernen so gewollt. Mein Freund hat heute seinen Sprinter von Delta zurück bekommen. Auslieferung Ende März. Schon bevor wir den Sprinter nach Odelzhausen überführt haben, haben wir 0,25 l Öl nach gekippt. Jetzt hat er 700 km auf dem Tacho und wir mussten nochmal 1/2 Liter nachleeren! Ein Flammneues Auto!?!?

Chris
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#4 

Beitrag von Der-Chris »

Ja, das ist komisch, aber wenn der Markt so groß wäre, würde doch irgendjemand aufspringen. Bei VW wäre auch alles vorhanden und man bekommt aber auch keine drei Sperren ab Werk, wenn ich das richtig im Kopf habe.
Das mit dem Ölverbrauch könnte sich noch stabilisieren, wenn die Kolbenringe auf den Zylinder eingelaufen sind.
Was macht Delta am Auto von Deinem Freund?
kompostman
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#5 

Beitrag von kompostman »

Bei VW bekommt/ bekam man bei beiden „Allrad“-Konzepten eine vollmechanische HR Sperre. Sowohl beim 4motion im T5/6 (welcher ja technisch nah am Torque on Demand vom neuen VS30 ist), als auch beim permanenten Allrad aus dem Amarok.
Und damit kam man schon recht weit. Ich habe beide Fahrzeuge gehabt und besonders mit dem Amarok konnte man schon recht gut ins Gelände.
Das 4ets System vom Daimler macht nur sehr bedingt Sinn. Das hast du aus meiner Sicht vollkommen recht! Auch oder gerade schon für die nasse Wiese oder etwas Sand. Ins Gelände wie mit dem Rok, würde ich mit dem Sprinter eh nicht gehen.

Gruß

Alex.
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hljube (30 Apr 2022 07:27)
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#6 

Beitrag von Zuschauer »

 Themenstarter

Gelöschter User hat geschrieben: 29 Apr 2022 22:26 Im Webparts finde ich auch für dem 907 Verteilergetriebe die sperrbar sind.
Chris
Hallo Chris, so richtig fit mit den verschiedenen Techniken bin ich nicht. Wenn ich aber richtig informiert bin ist die Mitteldifferenzialsperre die wichtigste, dann Hinterachssperre und zuletzt Sperre der Vorderachse. Richtig?

Du schreibst, dass es in den Tiefen der Ersatzteilleger bei MB ein sperrbares Verteilergetriebe gibt. Würde dies bedeuten, mit dem sperrbaren Verteilergetriebe eine Mitteldiffernzial- bzw. Längssperre hätte?

Wenn dem so ist dann müsste doch auf irgend einem Weg dass sperrbare Verteilergetriebe kaufbar und austauschbar sein. Mir wäre es ein paar Scheine wert meinen Werksallrad zu optimieren, sofern es einen echten Mehrwert bzw. Vorteil ergibt.

Was ich trotz der Erklärung zur nachträglich verbauten Hinterachssperre noch nicht kapiere ist, dass diese nur richtig funktioniert wenn der Allrad nicht zugeschaltet wird. Ich dachte immer, dass mit der Hinterachssperre und zugeschalteten Allrad bis auf wenige Ausnahmen nur eines der nicht gesperrten Vorderräder Traktion verliert, dann das einzelne Rad vorn vom 4ets eingebremst wird und mit der gesperrten Hinterachse die Fuhre wieder durchzieht.

Gruß
Thomas
Gelöschter User

Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#7 

Beitrag von Gelöschter User »

Hallo Thomas,

ich habe aktuell für den 907 nicht gesucht. Für den NCV3 gab es alles mögliche an Varianten.

Auf die Schnelle habe ich für die Sachnummer A9072800400, 6.570,76 EUR als Preis gefunden. Das ist ein VG mit Zuschaltallrad und Untersetzung, Achsübersetzung i = 3,692!

Ob die VG untereinander austauschbar sind kann ich nicht sagen. Möglich wäre es... Ich muss mal im Geschäft die FIN von unserem alten NCV3 mitnehmen und nochmal schauen. Mein Chef wollte ein neues VG einbauenlassen weil er der Meinung war der Allrad geht nicht. Ihm war jedoch die funktionsweise des 4ETS nicht klar. Der Vorgänger war ein Iglhaut-Allrad das ist natürlich ein Panzer im Verhgleich zum Werksallrad!

Grüße Chris
f54
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#8 

Beitrag von f54 »

Gelöschter User hat geschrieben: 01 Mai 2022 19:06

Auf die Schnelle habe ich für die Sachnummer A9072800400, 6.570,76 EUR als Preis gefunden. Das ist ein VG mit Zuschaltallrad und Untersetzung, Achsübersetzung i = 3,692!

also für zg3, ohne mittelsperre. austausch ist machbar muss aber zwingend zur ha-übersetzung passen. macht aber nur sinn wenn man ein vtg ohne untersetzung hat (zg1) und eines mit untersetzung haben möchte. der antriebsstrang beim alten 907 4x4 ist mit dem des 906 4x4 identisch.
2015 W906 316 4x4 Kombi L2H1 ZG3 mit einmal alles. Ferner: 245/75R16 (BFG AT), HA: 4,182, selfmade Dachträger. Licht muss mit! :idea:

Biete: fast komplette Werksdachklima für den 906
Suche: Airlineschienen für die Bordwand, Holzverkleidungen für innen
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#9 

Beitrag von gbmuc »

hat mich schon länger mal interessiert für welchen Einsatz Vollsperren, Schnorchel u.ä Geländewagen-Accessories bei einem Sprinter gebraucht werden... es bleibt ja trotzdem ein Sprinter den man mit 4x4 auch mal abseits von asphaltierten Straßen verwenden kann, aber es wird aber eben niemals ein echtes Geländefahrzeug wie das vielleicht ein Iveco oder ein Bremach ist.
Aber wems gefällt....

Gruß
Georg
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#10 

Beitrag von juh »

Den Schnorchel hat man sinnvollerweise mit Zyklonabscheider und entlastet damit den Luftfilter in sehr staubiger Umgebung, z.B. auf Schotterpisten in Schweden.
Gruß Jürgen
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#11 

Beitrag von SP907 »

Warum ist das ZG3 ein Zuschalt-Allrad, wenn es ein Differential hat? Das ist doch nicht logisch. Entweder kann man es mit Diff. permanent nutzen oder es ist ein Zuschalt-Allrad nur fürs Gelände, dann sollte das ZG3 aber kein Diff. oder eine Sperre dafür haben ... ich kann am ZG3 so echt keinen Sinn erkennen.
Gruß Peter

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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#12 

Beitrag von loki »

SP907 hat geschrieben: 25 Mai 2022 09:08 Warum ist das ZG3 ein Zuschalt-Allrad, wenn es ein Differential hat? Das ist doch nicht logisch. Entweder kann man es mit Diff. permanent nutzen oder es ist ein Zuschalt-Allrad nur fürs Gelände, dann sollte das ZG3 aber kein Diff. oder eine Sperre dafür haben ... ich kann am ZG3 so echt keinen Sinn erkennen.
Man kann ihn doch permanent nutzen - Du mußt ihn nicht abschalten. Vom technischen Prinzip her ist es eigentlich auch ein abschaltbarer Permanentallrad. Und als ´Sperre´ hilft ja das ESP aus.

Gruß
Walter
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#13 

Beitrag von SP907 »

loki hat geschrieben: 25 Mai 2022 09:32 [...
Man kann ihn doch permanent nutzen - Du mußt ihn nicht abschalten. Vom technischen Prinzip her ist es eigentlich auch ein abschaltbarer Permanentallrad. Und als ´Sperre´ hilft ja das ESP aus.

Gruß
Walter
Ok, wenn das so ist ... darum wohl auch der Hinweis, dass mit angehobener Vorderachse nicht abgeschleppt werden darf.

Macht es verbrauchsmäßig einen merklichen Unterschied, ob der Allrad zugeschaltet ist? Denn Freilaufnaben hat der Sprinter wohl offensichtlich nicht, um bei reinem Hinterradantrieb den vorderen Antriebsstrang stillzulegen.
Gruß Peter

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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#14 

Beitrag von v-dulli »

loki hat geschrieben: 25 Mai 2022 09:32
SP907 hat geschrieben: 25 Mai 2022 09:08 Warum ist das ZG3 ein Zuschalt-Allrad, wenn es ein Differential hat? Das ist doch nicht logisch. Entweder kann man es mit Diff. permanent nutzen oder es ist ein Zuschalt-Allrad nur fürs Gelände, dann sollte das ZG3 aber kein Diff. oder eine Sperre dafür haben ... ich kann am ZG3 so echt keinen Sinn erkennen.
Man kann ihn doch permanent nutzen - Du mußt ihn nicht abschalten. Vom technischen Prinzip her ist es eigentlich auch ein abschaltbarer Permanentallrad. Und als ´Sperre´ hilft ja das ESP aus.

Gruß
Walter
Vom Prinzip her sollte man nur dann etwas schreiben wenn man auch weiß was. In diesem Fall hast Du keine Ahnung und darum solltest Du es besser lassen.

"Bei Fahrzeugen mit Code ZG3 (Allrad zuschaltbar mit Getriebeuntersetzung) wird durch die zuschaltbare Getriebeübersetzung (i = 1 : 1,432) die Steigfähigkeit des Fahrzeugs erhöht.
Die Getriebeübersetzung wird durch die Verwendung eines Planetenradsatzes erreicht. Der zuschaltbare Allradantrieb besitzt einen weiteren Planetenradsatz (im Verteilergetriebe) und 2 offene Ausgleichsgetriebe (in der Hinter- und in der Vorderachse).
Die Momentenverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse ist bei zugeschaltetem Allradantrieb durch den Planetenradsatz fest vorgegeben und beträgt 33 % zur Vorderachse und 67 % zur Hinterachse."
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#15 

Beitrag von fuzzy-baer »

Hallo,

das Thema Allrad und Sperren ist hier ganz anschaulich und verständlich dargestellt...

www [.] zuhause-im-wohnmobil [.] de/differentialsperren-in-allrad-fahrzeugen/

Gruß Sepp
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