Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

Mercedes Sprinter 3 (Typ VS30, Baumuster W907/W910) - ab 2018
Addi
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#31 

Beitrag von Addi »

Also um mal wieder auf die Ausgangsfrage des Threads zurückzukommen. Es ist sehr abhängig von der jeweiligen Situation. Und im Zweifel ist "Haben besser als Brauchen" besonders wenn man alleine unterwegs ist.

Ich war gerade mit meinem Werksallrad beim Offroad-Training und habe mich fest gefahren und kam ohne fremde Hilfe nicht weiter, mit einer Hinterachssperre hätte ich vermutlich keine fremde Hilfe gebraucht.

Folgende Situation:
Ich biege fast 90° in eine Bergabpassage. Beide Vorderräder sind schon in der Schräge und haben Grundkontakt. Der Verschränkung der Hinterachse reicht nicht aus und das kurvenäußere Hinterrad hebt sich und dreht durch. Da ich aber nicht weit genug ausgeholt habe, reicht der Rampenwinkel nicht aus und ich setze zwischen den Achsen auf der kurveninneren Seite auf. Weiter bergab geht es also ohne Beschädigung des Fzg. nicht, aber natürlich rückwärts wieder raus aus der Situation.
Leider bewege ich mich keinen Zentimeter rückwärts, da das hintere kurvenäußere Rad in der Luft hängt und die 35% Kraftverteilung auf der Vorderachse nicht ausreichen meine 3,5t rückwärts den Berg hochzuschieben. Sandbleche haben leider nicht mehr Traktion gebracht, sondern nur der Jeep der mich ganz leicht rückwärts gezogen hat.

Der Jeep des Trainers war die einfachste Lösung. Wäre eine Hinterachssperre verbaut gewesen, hätte die sicherlich hier schon zum Erfolg geführt und wäre eine autarke Hilfe gewesen, aber es hätte auch noch andere autarke Lösungen geben die geholfen hätte:
- mit einem Greifzug rückwärts selber rausziehen
- ca. 1/2 bis 1qm Schotter abtragen
- mit Genügend Erfahrung weit genug ausgeholt und die Situation wäre gar nicht erst entstanden

Gruß

Addi
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tktoto
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#32 

Beitrag von tktoto »

Ist das Ausschalten des ESP eine andere Funktion und hat keine Auswirkung auf das ETS?
SP907
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#33 

Beitrag von SP907 »

Addi hat geschrieben: 30 Mai 2022 15:46 ….
Folgende Situation:
Ich biege fast 90° in eine Bergabpassage. Beide Vorderräder sind schon in der Schräge und haben Grundkontakt. Der Verschränkung der Hinterachse reicht nicht aus und das kurvenäußere Hinterrad hebt sich und dreht durch. Da ich aber nicht weit genug ausgeholt habe, reicht der Rampenwinkel nicht aus und ich setze zwischen den Achsen auf der kurveninneren Seite auf. Weiter bergab geht es also ohne Beschädigung des Fzg. nicht, aber natürlich rückwärts wieder raus aus der Situation.
Leider bewege ich mich keinen Zentimeter rückwärts, da das hintere kurvenäußere Rad in der Luft hängt und die 35% Kraftverteilung auf der Vorderachse nicht ausreichen meine 3,5t rückwärts den Berg hochzuschieben.
….
Hätte das durchdrehende Hinterrad nicht abgebremst werden müssen vom ETS? Oder funktioniert das nur bei Vorwärtsfahrt?
In irgendeinem MB-Schreiben habe ich gelesen, dass man evtl mehr Gas geben muss, um den Effekt zu erzielen … hast du das probiert?
Gruß Peter

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juh
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#34 

Beitrag von juh »

Zumindest vorwärts habe ich in den Alpen öfters mal ähnliche Situationen gehabt. Man muß gut aufs Gas, dann klappt das auch, ist für offroad-erfahrene Fahrer etwas gewöhnungsbedürftig. Irgendwann werde ich es mal unter kontrollierten Bedingungen im 4x4-Park prüfen.
Gruß Jürgen
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#35 

Beitrag von f54 »

4ets lebt von drehzahl.

mit dem abschalten von asr (nicht esp!) schaltet man eben nur dieses ab aber nicht 4ets. ohne asr kann er wühlen und das motorsteuergerät drosselt nicht die motorleistung wenn er schlupf hat.
2015 W906 316 4x4 Kombi L2H1 ZG3 mit einmal alles. Ferner: 245/75R16 (BFG AT), HA: 4,182, selfmade Dachträger. Licht muss mit! :idea:

Biete: fast komplette Werksdachklima für den 906
Suche: Airlineschienen für die Bordwand, Holzverkleidungen für innen
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#36 

Beitrag von tktoto »

ETS lebt von Drehzahl..., habe ich auch so "erfahren"
Aber im Menü steht doch eindeutig ESP abschalten, nichts von ASR.
Was auch immer die Unterschiede sind, keine Ahnung.
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#37 

Beitrag von v-dulli »

tktoto hat geschrieben: 01 Jun 2022 17:34 ETS lebt von Drehzahl..., habe ich auch so "erfahren"
Aber im Menü steht doch eindeutig ESP abschalten, nichts von ASR.
Was auch immer die Unterschiede sind, keine Ahnung.
ESP lässt sich nicht einfach abschalten!
Gruß aus OWL
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#38 

Beitrag von loki »

Beim 907 ist nur das ESP abschaltbar. Was da dann aber genau im Detail in einzelnen Steuergeräten oder in deren Kombination aktiviert, deaktiviert oder angepasst wird, weiß vermutlich nur die Powertrain-Abteilung von MB. Und ESP ist ja im Grunde nur ein Oberbegriff der ganzen verbauten Stabilisations- und Traktionsgrogramme die nach dem ABS nach und nach in den 1980´ger Jahren bei MB eingeführt wurden - ASD, ASR, ESP, 4MATIC. Es ist aber jedenfalls nicht immer zielführend das ESP-Funktion, und was auch immer da dranhängt, abzuschalten, das kommt auf den jeweiligen Untergrund an und ob man bewußt Schlupf will oder nicht. Man muß das ESP auch wieder aktiv einschalten, es schaltet sich nicht von selbst wieder ein. Es ändert sich das gesamte Schaltverhalten und das Drehzahlniveau in den einzelnen Gängen.

Es gibt zu der 907 Allrad-Thematik zig YouTube-Videos mit derer Hilfe man die Arbeitsweise des 4ETS auf verschiedenen Untergründen sehr gut studieren kann - kann ich jedem nur empfehlen. Und sich natürlich die Funktionsweise bewußt machen und selbst ausprobieren. Mit vorrausschauendem Fahren, der bestmöglichen Fahrtechnik, der richtigen Bereifung und vorallem dem entsprechenden Ablassen der Luft aus den Reifen abseits befestigter Wege, kommt man mit der ganzen Geschichte schon ziemlich weit. Ich vermute jedenfalls weiter, als es die Meisten brauchen und sich überhaupt selbst zutrauen würden, auch mit einem ´echten´ Geländefahrzeug. Bei den Goodrich AT/MT kann man mit dem Luftdruck bis auf unter 1 bar gehen, wenn nötig. Das hilft ungemein.

Gruß
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#39 

Beitrag von v-dulli »

Nochmal, ESP lässt sich nicht einfach abschalten!
Im Oberbegriff ESP sind verschiedene Funktionen wie ABS, BAS, TSA, ETS/ABD und ASR eingebunden und davon lässt sich nur ASR im Menue abschaslten.
ESP lässt sich nicht einmal bei den AMG-Modellen vollständig abschalten. Im Untermenue der Werkstatt lässt sich, für bestimmte Zwecke, noch das ETS abschalten.
Gruß aus OWL
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#40 

Beitrag von luz »

Zurück zur Ausgangsfrage; Ja, ich würde eine Hinterachssperre einbauen, dann weisst du immerhin genau was die beiden Hinterräder machen. Wenn ich das hier alles lese bestätigt mir dies meine These; wichtigste Features bei einem 4x4 sind der Reihe nach
a) eine Untersetzung,
b) eine 100% Längssperre
c) eine 100% Hinterachssperre.
Sorry aber mit dem ganzen elektronischen Kram kann ich gar nichts anfangen. Wie richtig bemerkt wurde versteht wohl nur noch die MB powertrain Abteilung wozu was genau dienen sollte, wie sich die verschiedenen Systeme gegenseitig aufheben und Bremse + Power in Rauch auflösen lassen. Wenn ich im Gelände fahre muss ich doch zu 100% wissen wie mein Fahrzeug reagiert, mit all den Helferlein ist das unmöglich voraussehbar.
Die elektronischen Helfer wurden entwickelt damit ein ahnungsloser Schülertransporterpilot auch bei 10cm Neuschnee einen Pass hochfahren kann ohne seine Fahrweise gross anpassen zu müssen. Dafür machen die Helfer auch Sinn, auch wenn eine falsche Sicherheit vermittelt wird. Im Gelände und in Extremsituationen sind diese Helfer ein Ärgernis wenn nicht sogar gefährlich.
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#41 

Beitrag von loki »

ESP-OFF steht halt auf dem Schalter (oder vielmehr auf dem Touchbutton im MBUX) drauf - irgendetwas mußten sie ja draufschreiben. Aber wie ich ja oben schon schrubbte - Was da dann in den Tiefen der Elektronik effektiv angepasst wird, weiß kein Mensch. Im KI wird jedenfalls ESP-OFF angezeigt.

Gruß
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#42 

Beitrag von Addi »

SP907 hat geschrieben: 01 Jun 2022 14:10
Addi hat geschrieben: 30 Mai 2022 15:46 ….
Folgende Situation:
Ich biege fast 90° in eine Bergabpassage. Beide Vorderräder sind schon in der Schräge und haben Grundkontakt. Der Verschränkung der Hinterachse reicht nicht aus und das kurvenäußere Hinterrad hebt sich und dreht durch. Da ich aber nicht weit genug ausgeholt habe, reicht der Rampenwinkel nicht aus und ich setze zwischen den Achsen auf der kurveninneren Seite auf. Weiter bergab geht es also ohne Beschädigung des Fzg. nicht, aber natürlich rückwärts wieder raus aus der Situation.
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Vorwärts ging ja nicht mehr weiter ohne das Fahrzeug zu beschädigen. Im Rückwärtsgang weiß ich nicht mehr auswendig bis wohin wir die Drehzahl gejagt haben, aber vermutlich war es zu wenig, weil der Reifen schon ganz schön über das Sandblech schrubbte. Reifenschonend ist die ganze Sache dann aber nicht. Beim nächsten Mal probier ich es mit mehr Drehzahl, jetzt weiß ich ja an welcher Stelle ich mich festfahren kann :D
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#43 

Beitrag von Frrroschi »

ESP lässt sich nicht einmal bei den AMG-Modellen vollständig abschalten
Ja, stimmt, bis zu einem Driftwinkel von ca.90 Grad ist es dann weg. Über ca. 90 Grad schaltet es sich selbstständig wieder ein. Jedenfalls bei meinem PKW....also mit Absicht einem mal schnell die Kiste um 360Grad herumdrehen geht nicht. Ist jedoch wahrscheinlich bei den verschiedenen Modellen unterschiedlich.

Bei der elektronischen Unterstützung und denn vielen Systemen bin ich der Meinung der Vorredner: Wenn man des Fahrens mächtig ist sind sie gefährlich und stören nur. Leider sind die Fahrkenntnisse Vieler dermaßen gering das sie ohne sofort gegen den nächsten Baum fahren.
Es gibt aber auch Systeme die Funktionieren und eine tatsächliche Hilfe sind. Zwei Modelle habe ich dafür leider erst gefunden.
Der Range Rover Velar ist mit den den ganzen Systemen im Gelände super. Der grabbelt überall rauf und durch solange die Fahrhilfen eingeschaltet sind.....schaltet man sie ab bleibt man stecken! Bei den Straßenautos war es der Porsche 991 GTS der mit Fahrhilfen OK war bzw. wo der Unterschied mit und ohne Fahrhilfen bei der Rundenzeiten auf Rundstrecken nicht mehr eklatant auseinanderklaffte.

Ich sehe für mich nur 2 Möglichkeiten im Gelände:
Variante 1 : Alle Sperren 100%
Variante 2 : Ein komplexes System wie es der Rangerover hat, hier werden die durchdrehenden Räder bei zB. Extremverschränkungen bis zum Stillstand gebremst usw....usw...

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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#44 

Beitrag von hwhenke »

Hallo,
einen Sprinter mit einem Rover zu vergleichen ist schon mutig.....
Der Sprinter kann niemals ein Geländewagen sein.
ist meine Meinung
LG Horst
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kompostman (03 Jun 2022 20:13)
Meine Enkel sind goldiger als Deine :twisted:
luz
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Re: Hinterachssperre beim Werksallrad sinnvoll oder Quatsch?

#45 

Beitrag von luz »

klar ist ein 4x4 sprinter ein kompromiss zwischen reisemobil und geländwagen. bedingt durch den radstand sind grenzen gesetzt aber ansonsten kann ein iglhaut, oberaigner oder achleitner sicher bei vielen disziplinen mit einem geländewagen mithalten. ein zum reisen übervollgepackter defender oder gar ein pickup mit wohnkabine ist im gelände auch kein willys mehr. ein unimog ist eine andere liga, die sind dann aber für viele wege wieder zu gross und bei autobahnetappen mit 80 km/h und 100 db nicht jedermanns sache.
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