Gebrauchtwagenkauf mit Frontschadenreparatur

Mercedes Sprinter 1 (Typ T1N, Baumuster W901-W905) & VW LT 2 - ab 1995 bis 2006
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benjamin
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Gebrauchtwagenkauf mit Frontschadenreparatur

#1 

Beitrag von benjamin »

 Themenstarter

Guten Tag Freunde,

Ich brauche Euren Rat;
es geht um den Kauf eines gebrauchten
VW LT 46, Jg 2003 mit 218'000km und 2,8l Motor (AUH) mit 158 PS.


Kurze Einführung:
Das älteste Fz unserer kleinen Flotte, ein LT 46, Jg 1998, mit 160'000 km und 2,5l Motor (AHD), hat langsam aber sicher seinen Dienst getan...Die Wirtschaftlichkeit des Fahrzeuges sowie die Zuverlässigkeit im Gebrauch hat in letzter Zeit stark abgenommen. Das Fahrzeug hat in diesem Alter und nach dem beanspruchendem Einsatz im Kurzstrecken-Verteilverkehr entsprechende Gebrauchserscheinungen (Rost, Motorlauf bzw. Zuverlässigkeit Motor und Startverhalten allgemein, zudem ist der Aufbau mit Plane/Spriegel und Hebebühne auch langsam alt).

Hinzu kommt, dass am Montag die Hebebühne-Aufnahme in Folge Durchrostung gebrochen ist (beim voller Beladung der HB). Nur das rasche Eingreifen des Chauffeurs hat Schlimmeres verhindern können.

Der langen Rede Kurzer Sinn:
Das Auto soll weg, ein Ersatz muss her.

Aus finanziellen Gründen liegt ein Neukauf (Crafter...) nicht drin,
ausserdem wäre es vom Erscheinungsbild passend, wenn wir wieder einen LT kaufen könnten.

Ich habe also einen gebrauchten im Visier;
betreffenden oben beschriebenen VW LT 46, Jg 2003 mit 218'000km und 2,8l Motor (AUH) mit 158 PS (Chassis-Kabine bzw. "Fahrgestell")

Das FZ ist in einem sehr guten Allgemeinzustand (dem Alter entsprechend), auffällig war der gute Zustand der Lackierung des Führerhauses.
Überhaupt ist das Fahrzeug piekfein sauber, wie es halt bei einem Verkauf sein sollte.
Ausserdem ist der Preis so zwischen "sehr fair" und "Schnäppchen"

Ein erster Rundum-Check sowie eine Probefahrt (ca. 1km, länger ging ned, da keine Schilder :mrgreen:) verliefen positiv.
Ich habe alles überprüft, was ich meines Wissen überprüfen kann
(Niveaus Motoröl, Kühlwasser, Servo, Öleinfülldeckel auf Kondenswasserbeschlag, Fz.-Untenansicht: Motor, Getriebe, Turbo, Auspuffrauch, Armaturenbrett/Statusleuchten, Servicebuch, Ausweis/Chassisnummer etc. ALLES I.O.).

Vorbesitzer laut Ausweis war ein Tiergrosshandel/Schlachtbetrieb.
Das Fz. kommt ohne Aufbau, also nur das Fahrgestell,
dient mir soweit aber gut.

Zum Verkäufer:
Ein äusserst sympathischer Herr aus dem Balkan, Alter zwischen 40-50, besitzt mit seiner Frau hier in der Schweiz ein kleines Haus, dass er selbst renoviert hat. Er lebt seit 20 Jahren in der Schweiz und macht einen vertrauenswürdigen Eindruck.
Er hat das Fz. im Dezember 2009 hier in der Schweiz für den Export nach Bosnien gekauft. Ziel war es, das Fz. für einen Bekannten aus Bosnien zu exportieren. Nun rückt aber der nicht mit dem Geld raus, und solange kein Geld, gibt's auch kein Auto. Er hat des Wartens genug, und auch genug davon, den halben Parkplatz vor seinem Haus stängig blockiert zu haben und die Blicke seiner Nachbarn auf sich zu ziehen. Folglich stellt er das Fz. bei autoscout.ch ein, dort wurde ich auch darauf aufmerksam.

Bei einem zweiten Besuch im Abstand einer Woche, zusammen mit zwei Kollegen, einer davon Mechaniker, nehmen wir die Kiste genauer in Augenschein. Insgesammt sind wir rund zweineinhalb Stunden beim Verkäufer, werden zu Kaffee und Kuchen auf die Terasse seines Hauses eingeladen und diskutieren bei den ersten Frühlingssonnenstrahlen, wie wir bezüglich Kauf vorgehen sollen.

Folgende Sachen beschäftigen mich noch:

- Das Fz. hat offenbar eine Reparatur nach einem Frontschaden hinter sich. Diverse Bauteile der Front (Stosstange, Motorhaube, Kühlergrill, Wasserkühler, Scheinwerfer) sind augenscheinlich neu. Ausserdem wurde die Kabine neu lackiert. Der aktuelle Verkäufer - und das glaube ich ihm auch - weiss nichts von dem Ganzen und beteuert mehrmals seine fachliche Unkundigkeit.
Mittlerweile gehen wir davon aus, dass das Fz. im vergangenen Winter einen Frontumfall hatte, so dass die obengenannten Teile ersetzt werden mussten. Vermutlich war das Fz. für den Eigentümer laut Ausweis ein wirtschaftlicher Totalschaden, so dass es von einem "Export-Händler" günstig gekauft und repariert wurde. So wird es vom aktuellen Verkäufer für den Export für seinen Bekannten in Bosnien gekauft. Der Rest steht oben: der andere Kollege will nicht zahlen und bekommt so das Auto nicht. Nach 3 Monaten hin-und-her entschliesst sich der aktuelle Verkäufer das Fz. wieder loszuwerden, damit er sein Geld wieder hat,
und so komme ich als Interessent ins Spiel.

Was soll ich nun machen?

Welche Sachen sind beim Gebrauchtwagenkauf ab Platz zu beachten?

Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen alles abgecheckt und eine Bestandesaufnahme gemacht, wenn alles i.O. ist und die Kiste noch 3-4 Jahre läuft, dann hat das TipTop rentiert.

Prinzipiell kaufe ich das Fz. ab Platz, d.h., wenn bezahlt habe, einsteige und die Kiste fällt nach 100m auseinander, dann ist das mein (grosses...) Problem, stimmt das so?
Kann/soll ich irgendwie eine kleine Rücktrittsklausel einbauen, bzw. vor dem definitiven Kauf noch eine längere Probefahrt machen (ist insofern problematisch, als dass das Fz. keinen Aufbau hat, d.h. der ALB/Bremsen sind nicht 100% zuverlässig)?

Meine grösste Sorge ist, dass das Fz. nach der Reparatur des Fronschaden keinen Meter aus eigener Kraft gefahren ist (wurde nach Unfall/Rep per Transporter angeliefert), d.h. allfällige Spätfolgen würden erst im späteren Gebrauch bei uns sichtbar.
Dann wäre das Fz. allerdings bereits bei Karroseriebauer gewesen, auf unsere Firmenfarbe umlackiert und mit einem neuen Aufbau versehen worden. Also alles Mehraufwand, der im Rahmen einer erst später sichtbaren Auswirkung des Schadens mehr oder weniger für die Katz gewesen wäre (gut, der Aufbau nicht, den könnten wir easy weiterverwenden, aber halt das Umlackieren).

Wer hat Erfahrung mit der Reparatur von Frontschäden?
Bitte entschuldigt, wenn ich hier so "übervorsichtig" tue, weiss einfach ned, wie schlimm das ist...Die Kabine ist strukturell 99% einwandfrei, einzig der linke Kotflügel hat noch eine minimale Stauchspur , wo auf ca. 3-4 cm der Lack aufblättert, dies könnte im Rahmen der Neulackierung aber problemlos behoben werden.
Bis auf die Beschädigung der oben angegebenen Teile ist alles (Motorraum) sauber und inttakt; ich nehme nicht an, dass das ein Frontalcrash mit 80km/h war (da würde die Kiste sehr wahrscheinlich anders aussehen). Die Reparatur scheint mir fachmännisch ausgeführt worden zu sein. Einzig die Neulackierung war vieleicht etwas Augenwischerei; nach dreimonatiger Standzeit beim blühen millimetergross im Bereich der Schweller beim Türeinstieg kleine Roststellen hervor, würde ich aber dem Lacker sagen, er soll das gerade i.O. bringen.

Könnt ihr mir ein paar Ratschläge geben?
Ich würde das Fz. gerne kaufen, ist aber mein Erstkauf "ab Platz" und ich bin noch etwas nervös. Vom Preis her wäre ein Totalverlust nicht existenzbedrohend, würde aber meinem Stolz etwas wehtun...Oder ist das einfach das Risiko, dass ich eingehen muss. Das Fz. kostet so wie es ist umgerechnet ca. 6'000 EUR und ist bei mir relativ in der Nähe, desshalb ging ich es überhaupt besichtigen.

Wenn's glattgeht, kann ich aus dem Verkaufserlös des "Alten" den "Neuen" zu einem wesentlichen Teil finanzieren, das wäre auch kein Problem.

Welche Reparaturen/ Verschleissteile werden bald kommen, die im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung berücksichtigt werden müssen (das Meiste können wir selber machen)?



Was ist euer Eindruck?
Was meinen die "Frontschaden-Erfahrenen unter uns :wink: ?

Freue mich auf jeden Tipp!

Besten Dank
&
Ostergrüsse

benjamin
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#2 

Beitrag von Opa_R »

Hy Benjamin :wink:
Ich sag nur was zum Frontschaden 8)
Dabei ist das Problem , wie stark war der :roll: Ein Indiz dafür könnten z.b.Beschädigungen an der Lenkung (Treffer vom Motor ) , Krumme Längsträger (zw Rahmenkopf und Fahrschemel ) , Abdrücke am Fahrschemel zw Rahmen und Achsschemel sein :roll: Wenn er "heftig" einen auf die Nase bekommen hat , müßten an den beschriebenen Stellen noch Spuren zufinden sein. :wink:
Liebe grüße Renate und Schorsch ;)
Alle Angaben ohne Gewähr :)

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benjamin
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#3 

Beitrag von benjamin »

 Themenstarter

Hallo Opa_R!

Danke für deine Antwort
(trotz Ostern nicht ganz frei und treu dem Sprinterforum Zeit gewidmet, Danke!)

Besten Dank für die Tipps!
Werde mich also nochmals unter den Wagen legen und die von dir geschilderten Problemzonen besonders gut in Augenschein nehmen!

So auf den ersten Blick konnte der Crash nicht allzu heftig gewesen sein...
Kann ein solches Unfallfahrzeug repariert und wieder eingesetzt werden?
Ist das üblich, das zu tun?
Oder tun's die meisten ned, weils nicht rentieren würde?

Danke
& LG
benjamin
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#4 

Beitrag von waldtroll »

Ich würde so ein Fahrzeug nicht nehmen, habe gerade ähnliches mit meinem T 3 durch, sollte auch Unfallfrei sein, Verkäufer was auch sehr freundlich.
schöne Ostern noch
Deitsch un frei wolln mr sei, weil mr Arzgebirgler sei.
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#5 

Beitrag von Boarder »

Hallo Benjamin,
grundsätzlich kann ich die Meinung von Waldtroll nicht für allgemeingültig stehenlassen. Opa_R hat schon Recht - schau Dir das Auto nochmal in aller Ruhe an.
Du hast ja geschrieben, daß Du schon mit Leuten vom Fach da warst und die auch keine besondere Veranlassung gesehen haben, Dir vom Kauf abzuraten - sonst würdest Du ja nicht mehr überlegen... .
Falls Du also nochmal Gelegenheit vorm Kauf hast, schau Dir beide Seiten einfach nochmal im Vergleich an.
- sind die Spaltmaße gleich zw. rechts und links
- siehst Du irgendwelche Abdrücke vom Kotflügel an den Türen, an den A-Säulen oder gar Abdrücke der Türen an den B-Säulen (im letzten Fall war der Treffer schon stärker)
- von Opa_R geschriebene Stellen abchecken
- Bleche rund um die Batterie checken (andere Seite ebenso) - sind die alle noch okay bzw. original, wird's nur ein kleinerer Nasenstupser gewesen sein
- neue Frontscheibe drin?

Wenn Du all die Punkte gecheckt hast, kannst Du in etwa abschätzen, wie heftig der Treffer wirklich war. Ich würde nicht grundsätzlich von einem Fronttreffer zurückschrecken, wenn dieser leicht bis mittelschwer war, denn vorne läßt's sich meist einfacher reparieren als hinten oder gar die Seite.

Gekauft von privat ist zumindest in Deutschland immer das Risiko des Käufers. Keine Chance gegen den Verkäufer irgendwelche Klauseln durchzusetzen, wenn dieser die Sachen nicht vorher arglistig (bewußt) verschwiegen hat (bekannter Motor- / Unfallschaden).

Was an Reparaturen technischerseits auf Dich demnächst zukommen wird, kann ich aber leider nicht abschätzen. Fahre zwar auch einen AUH, dieser hat aber wesentlich weniger Kilometer und bis auf Verschleiß... *aufholzklopf*

Viel Erfolg bei den Überlegungen :)

Ciao,
Falk
weissnich
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#6 

Beitrag von weissnich »

Boarder hat geschrieben:.......

Gekauft von privat ist zumindest in Deutschland immer das Risiko des Käufers. Keine Chance gegen den Verkäufer irgendwelche Klauseln durchzusetzen, wenn dieser die Sachen nicht vorher arglistig (bewußt) verschwiegen hat (bekannter Motor- / Unfallschaden).
das stimmt auch nur bedingt.. wenn man nen standardkaufvertrag aufsetzt ist dem so.. allerdings wird mnan ja nicht gezwungen den passus "ohne gewähr etc" zu unterschreiben... man kann sich also vertraglich absichern die frage ist ob der verkäufer das mitmacht..

ein weg herauszufinden was da war ist den letzten halter anzurufen.. der sollte wissen was dem wagen passiert ist :wink:

grundsätzlich ist gegen ordentlich reparierte unfallwagen garnichts auszusetzen - man muss ihn halt gründlich untersuchen..
212D Bj.96 490.000km - er rostet nur zusehr..
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Rosi
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#7 

Beitrag von Rosi »

Beim Kauf vom Privatmann kann man Glück haben, daß der ehrlich ist. Beim Händler hingegen, bekommt man scheinheilige "Garantien", weil der Händler selbst genau weiß, daß er den Käufer nur besch... will.
"Eines der größten und ältesten Autohäuser Hamburgs" hatte mich vor Jahren mit 20% des Kaufpreises darum gebeten, es nicht öffentlich zu denunzieren.
Ein Bekannter kaufte seinen Sharan mit "Garantie" von einem "Händler" in BERLIN :!: Das Automatikgetriebe ging binnen kürzester Zeit kaputt. Es stellte sich sogar heraus, daß es kürzlich erst "repariert" wurde. Dem "Händler" gehörte nicht mal das Auto, mit dem er selbst fuhr, weder der Stellplatz, noch irgend eines der Autos darauf. Alles gehörte seiner Frau oder der Bank. Der Verkäufer war nicht pfändbar, verkaufte aber mit "Garantie". Der Käufer hat keinen Anspruch auf die Qualität der ausgeführten "Reparatur".
Man sollte einfach das Gehirn eingeschaltet lassen, den GMV (gesunden Menschenverstand) befragen und von solchen Räuberkisten, wie der von benjamin einfach die Finger lassen.
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